Die »Energiewende« bewegt die Menschen immer noch und immer wieder. Denn längst sind auch jene, die sich von Habeck und den Grünen allerlei Energiewunder erhofften, davon betroffen, daß im Alltag die Wunder nicht nur ausblieben, sondern die dämonische Wirklichkeit sich unangenehm bemerkbar macht. Die Dinge funktionieren nicht so, wie sie sollten; sie sind elend teuer, weit teurer als die von Jürgen Trittin versprochenen Wende-Kosten zum Preis von einer Kugel Speiseeis pro Jahr; die Atmosphäre reichert sich munter weiter mit Kohlenstoffdioxid an, egal, wieviel man dagegen unternimmt; und während Europa und das Moralmusterland Deutschland sich hart ins Ruder legen, um die »Energiewende« zu schaffen, segelt der Rest der Welt bei schönem Wetter der Moral davon und schafft einfach industriellen Reichtum.
Natürlich gibt es überall Experten, die uns genau erklären können, warum die »Energiewende« dringend nötig ist und uns die wahre Zukunft bescheren wird. Und ebenso natürlich gibt es überall Experten, wenngleich auch an etwas versteckteren Orten, die uns genau erklären, warum die Wende nicht funktionieren wird, weil sie es aus physikalischen Gründen gar nicht kann. Der geplagte Zeitgenosse, der gar nichts dagegen hat, die Welt zu retten, wenn er es denn im Winter dabei warm und abends dabei Licht hätte — der Zeitgenosse also wundert sich und weiß nicht, welchem Experten er übern Weg trauen soll. Zu frisch sind die Erinnerungen an all die vielen Corona-Experten, die ein ums andere Mal von Fakten sprachen, die Phantome waren, und Maßnahmen durchsetzen halfen, die das zu schützende Gut — den unversehrten Menschen — arg demolierten. »Wo ist Rettung?« mag man sich da fragen.
Die Antwort lautet: Die Rettung ist im Internet. Und zwar in Form jenes merkwürdigen Experten, der »Künstliche Intelligenz« (KI) heißt und sich gerne fragen läßt. Denn er weiß auf alles eine Antwort. Dies deshalb, weil er alle Texte zu den leichten und schwierigen Themen kennt und aus den Texten eine Art Standardantwort generiert, die nicht richtig sein muß, aber immerhin so etwas wie den Querschnitt dessen bietet, was man so obenhin für »richtig« halten mag. Und manchmal kommt man durch Nachfragen der Wahrheit eines Sachverhalts auch erstaunlich nahe, was man daran erkennt, daß KI sich beim Antworten verheddert und etwas von sich gibt, was dem, was er kurz vorher von sich gab, sich nicht widerspruchslos fügt. Aus der Art des Widerspruchs kann man dann leicht schnließen, wo die widerspruchsfreie Wahrheit zu suchen und zu finden ist.
Machen wir die Probe. Fragen wir KI nach der Energiewende. Und zwar so, daß wir uns mit den einfachen Fragen, die uns beschäftigen, an den Experten wenden. Beginnen wir also mit der grundlegenden Frage, wie hoch der Strombedarf in Deutschland eigentlich ist; pro Jahr; wir beschränken uns auf den Strombedarf, um den größeren Topf des allgemeinen Energiebedarfs nicht auch noch zu öffnen. Also:

Sehr schön. Und nun die ebenso einfache Frage: Wieviel Energie/Strom liefert eigentlich so ein Windrad, mit dem die »Energiewende« wesentlich (neben der Photovoltaik) gelingen können soll. Bleiben wir dabei spaßeshalber auf dem Land und lassen die Windräder im Meer außen vor.

Wunderbar. Auf dieser Basis läßt sich ja leicht sagen, wieviele Windräder es in Deutschland bräuchte, um den Strombedarf zu decke. Und so ist es auch, ganz leicht ist es:

Ein bißchen viel, nicht wahr. Aber Deutschland ist ja ein großes Land, nicht wahr. Wie groß ist es eigentlich? Das weiß unser Experte natürlich sofort:

Und jetzt noch ein bißchen Küchenmathematik: Wenn ich auf dieser Fläche die oben errechneten knapp 31000 Windräder unterbringen will, wieviel Fläche verbraucht dann ein solches Windrad? Hier die Antwort:

Sorry, lieber Experte. Ich bin kein Bauer und nicht viel auf dem Land. Ich weiß daher nicht so recht, was ein Hektar ist. Oder besser: Ich weiß es mathematisch schon, aber was heißt das, wenn man es etwas anschaulicher machen will? Mach es also bitte mal anschaulicher:

Uuups. Jetzt verstehe ich. Wenn man den Strom für ganz Deutschland mit auf das Land verteilten Windrädern erzeugen wollte, stünde zur Bedarfsdeckung auf Quadraten mit einer Seitenlänge von rund 3400 Metern je ein Windrad. Im ganzen Land. Überall. Wenn also ein frohgemuter Wanderer eine Dreiviertelstunde lang geradeaus läuft, was etwa drei bis vier Kilometern entspricht, dann würde er in dieser Dreiviertelstunde ein Windrad passieren — oder drunter durchlaufen. Völlig unabhängig davon, ob der Wanderer nun durch Gelsenkirchen läuft oder durchs Allgäu. Und völlig gleich, in welche Richtung er schaut: nach dreieinhalb Kilometern steht da das nächste Windrad.
Nun gut. Das klingt jetzt schon nicht mehr so zukünftig, wie es eigentlich klingen sollte. Aber es ist auch immer noch ein wenig abstrakt. »Fläche« ist schön und gut; aber im Alltag laufen wir nicht durch abstrakte Flächen, sondern durch unsere Stadt oder durch einen Wald oder sonst eine sehr konkrete Gegend. Machen wir es daher noch ein wenig anschaulicher, indem wir uns eine konkrete Gegend als Windradbepflanzungsfläche vornehmen. Schauen wir uns das einmal für Berlin an. Also zunächst wieder die Frage nach der Fläche:

Wollen wir einmal nicht kleinlich sein und die angegebene Gesamtfläche der Stadt inklusive der Wasserfläche (man kann Windräder ja auch ins Wasser stellen) mit Windrädern bebauen, wie wir das für ganz Deutschland gerade getan haben. Fragen wir also wieder unseren Experten. Er sagt:

Hoppla, was redet KI da? Unser Experte weicht einer einfachen und direkten Antwort ganz offensichtlich aus und textet mich zu mit einem energiepolitisch korrekten Statement, dessen Essenz ungefähr so lautet: »Es gibt in Berlin für Windräder ausgewiesene Standorte, und man rechnet auf den ausgewiesenen Flächen mit mit 20 bis 60 Windrädern.« Das ist lachhaft unpräzise und voller Ungefährs, die die gestellte Frage ins politische Blabla verschieben.
Machen wir’s daher wieder ganz einfach und teilen wir spaßeshalber mal die Gesamtfläche von Berlin mit den 11,5 Hektar, die uns KI als Flächenbedarf für ein Windrad genannt hatte:

Einfaches Fazit: In Berlin werden keine minimal 20 bis maximal 60 Windräder irgendwo in einem Park oder am Stadtrand oder im Grunewald stehen, sondern 77 Windräder werden den Strom zu liefern haben, den die Stadt benötigt. Wenn denn der Wind weht.
Wer dereinst nach vollzogener »Energiewende« die rund 36 Straßenkilometer zwischen dem Brandenburger Tor in Berlin und dem Park Sanssouci in Potsdam zu Fuß zurücklegen wird, der darf sich freuen: bei einer Gleichverteilung der Windmühlen im Stadtgebiet begleiten zehn bis elf Windräder seinen Weg.
Und so wurde ich zu meinem eigenen Energieexperten.