Die Selbstabschaffung der Bibliotheken

Geschrieben von Uwe Jochum am 3.5.2026

Vom selben Autor:


Heimatkunde VIII

Straßenlage


Uwe Jochum

Wissenschaftlicher Bibliothekar

Auch interessant:


Urheber ohne Recht

Wie Staat und Bürokratie mittels Open Access Wissenschaftler enteignen


Der Bibliothekar als linker Kulturkämpfer

Jan-Pieter Barbian aus Duisburg als Beispiel

Der nachstehende Text erschien zuerst im Jahre 2011 in dem von mir mitherausgegebenen Sammelband »Das Ende der Bibliothek? Vom Wert des Analogen«, der bei Klostermann in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Dort ist er zu finden auf den Seiten 11–25. Ich habe hier in dieser Version lediglich einen Link zu Licklider eingefügt, weil er eine heute doch eher an den Rand gerückte Person ist. Das PDF des Artikels finden Sie an dieser Stelle.
Es gehört übrigens zu den im Kontext des nachfolgenden Beitrags buchenswerten Umständen, daß die Positionspapiere der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die einst digital über die Website der DFG verfügbar waren, ebenso wie die Papiere des Wissenschaftsrates im digitalen Nirwana verschwunden sind.


Die Furie des Verschwindens

Der Beginn der Selbstabschaffung der Bibliotheken läßt sich auf das Jahr 1965 datieren. In jenem Jahr veröffentlichte der amerikanische Computer- und Informationspionier J. C. R. Licklider unter dem Titel Libraries of the future eine Programmschrift, die nichts geringeres als die Abkehr der Bibliotheken vom Medium Buch intendiert. Licklider legitimierte diese Abkehr damit, daß mit den in Büchern gespeicherten Informationen keine Interaktionen möglich seien und daher auf der Basis des Buches der Umgang mit dem Korpus des Wissens (»the body of knowledge«) nicht als ein dynamischer Prozeß in den Blick komme, bei dem die kleinsten Wissenskorpuskeln (»very small and scattered parts«) mit »aktiven Prozessoren« (»active processors«) nach Wunsch und Bedürfnis der Informationshungrigen gesteuert werden könnten.1 Da der Computer aber über solche aktiven Prozessoren verfüge, sei mit seiner Hilfe ein dynamischer Interaktionsprozeß mit dem Wissenskorpus möglich, und folglich müsse die Bibliothek mit dem Computer verschmolzen werden.2

Lickliders Programmschrift war in einem äußerst günstigen politischen Umfeld plaziert, denn zwei Jahre zuvor hatte unter der Regierung von Präsident Kennedy der Weinberg-Report das Problem der »Übermittlung von Information« zum öffentlichen Thema gemacht. »Information« war nun plötzlich etwas, das für eine leistungsfähige Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften und der Technik unabdingbar war, und die Leistungsfähigkeit von Naturwissenschaften und Technik wiederum war »eine nationale Notwendigkeit«.3 Warum das so sein sollte, fand sich im Weinberg-Report eher am Rande notiert: Die Gesellschaft, die die modernen Naturwissenschaften und die Technik finanziere, verlange dafür im Gegenzug eine »bessere Verteidigung, bessere Nahrung, zusätzliche Energie«, und obwohl man in diesem Kontext »die idealistische Motivierung für die Wissenschaft« nicht vergaß, wurde auch dieser Idealismus umgehend auf die Linie gebracht, »unsere militärische Stärke zu erhalten und den Frieden zu sichern.«4

Das Vorwort zur deutschen Ausgabe des Weinberg-Reports macht klar, auf was hier indirekt Bezug genommen wird: auf den Sputnik-Schock des Jahres 1957, der die militärisch-technische Führungsrolle der USA in Frage zu stellen schien und auf den die seit 1961 im Amt befindliche Kennedy-Regierung mit dem Programm der »New Frontier« reagierte. Ziel dieses Programms war u. a. die Rückgewinnung der bedrohten militärisch-technischen Führungsrolle durch eine Erhöhung der Militärausgaben, aber auch durch eine Ausweitung der militärisch-technischen Grundlagenforschung. Der Weinberg-Report schlug vor, diese Grundlagenforschung zugleich zu einer »Einheit«5 zusammenzufassen, wobei die wissenschaftlich-technischen Informationsprozesse neu zu strukturieren und die Investitionen in die »Informationstechnik« zu erhöhen seien. So sollten alleine 50 Millionen Dollar bereitgestellt werden, um den Katalog der Library of Congress datentechnisch zu automatisieren.6

Liest man den Weinberg-Report und Lickliders Programmschrift parallel, läßt sich eine zentrale Koinzidenz nicht übersehen: Wo der Weinberg-Report die Einheit der Wissenschaft in den Gedanken und Fakten sieht, die in der »Literatur« vorliegen,7 nimmt sich Licklider dieser Gedanken und Fakten an, um sie von der »Literatur« zu befreien und ihre wahre Einheit im computergestützten »body of knowledge« herzustellen. Dort wäre ihre Einheit keine statische, sondern unterläge der Dynamik eines »prokognitiven Systems«, das sich dank des Computers selbst organisieren würde, um den Informationssuchenden jederzeit darüber zu informieren, wo im Wissenskorpus sein derzeitiger Standort sei und was er als nächstes zu tun habe.8 Dabei wird, ohne daß die Autoren daran einen Gedanken verschwenden, ein Begriff von Wissenschaft unterstellt, der diese auf naturwissenschaftlich-technische Faktengenerierungen einschränkt, die als »Informationen« die Grundlage für ökonomisch-militärische »Innovationen« — so nannte man das noch nicht, aber so meinte man es schon — zu bilden haben.

Ebendiese Idee, mittels des Computers eine Selbstorganisation des Wissens oder der »Information« erreichen zu können, empfahl sich in der Mitte der 1960er Jahre keineswegs alleine für den militärisch-technischen Komplex oder als Rezept zur Wohlstandsvermehrung; und es war auch nicht nur für Bibliothekare interessant, die ihre altehrwürdige Institution nun plötzlich als datentechnisch modernisierte Zukunftseinrichtung legitimiert sahen. Interessant war die Sache vielmehr gerade auch für die Geisteswissenschaften. Denn der Auftritt des Computers als eines Geräts mit universalem Anspruch schien die Möglichkeit zu bieten, auch das mit Hilfe der Datentechnik zu transformieren, was sich bislang technischen Zugriffen entzogen hatte: den »Geist«. Daß eine solche Transformation nicht nur möglich, sondern endlich auch umsetzbar sei, glaubten nicht nur die Pioniere der »Künstlichen Intelligenz«, zu deren Umfeld Licklider zu rechnen ist,9 sondern auch all jene Geisteswissenschaftler, die sich unter der Fahne des Poststrukturalismus daran machten, den Geisteswissenschaften den Geist auszutreiben.10 Auch den Poststrukturalisten kam es nämlich darauf an, die »bewußte Subjektivität« samt ihren theologischen Attributen loszuwerden11 und an ihre Stelle eine Art Eigendynamik von »Schrift« zu setzen, die aus der reinen Prozession der Schriftzeichen — Derrida sprach vom »Spiel«12 — so etwas wie »Bedeutung« freisetzen sollte.

Das richtete sich auf der Ebene der Medien gegen die »lineare Schrift«, wie sie seit etwa 3000 v. Chr. im Zweistromland in Gebrauch gekommen war und sich im Abendland zum Buch entwickelt hatte. Denn, so das Argument, lineare Schrift und Buch räumen, indem sie im Nacheinander der Zeichen die zeitliche Sequenz der gesprochenen Sprache wiedergeben, dem Subjekt des Sprechens einen Vorrang vor den Schriftzeichen ein und suggerieren damit so etwas wie die Totalität eines Sinnes, der von einem sprechenden Subjekt ausgehe.13 Mit solchen vom Subjekt ausgehenden Sinn-Totalitäten sollte es nun ein Ende haben, denn nicht nur im Computer kündige sich »das Ende der linearen Schrift und das Ende des Buches« an,14 vielmehr »offenbare« sich dieses Ende auch in der »konvulsivischen Wucherung der Bibliotheken«.15

Es ist unschwer zu erkennen, daß das Derrida’sche Konstrukt einer »Schrift« dieselben Attribute hat wie Lickliders »prokognitives System«: ohne die Intervention eines menschlichen Sinngebers sollte hier Bedeutsames (»Information«) nicht nur gespeichert werden, sondern auch von selbst entstehen und sich von selbst organisieren. Ob man diese Eigenprozession des Bedeutsamen dabei als eine Art lebensweltliche Hülle betrachtete, die uns umgibt wie einen Fisch das Wasser (Derridas »Schrift«), oder ob man das eher utilitaristisch als in Betrieb zu nehmende technische Vorteilsgewinnungsmaschine verstand (Lickliders »prokognitives System«), spielt im Grunde keine Rolle. Der entscheidende Schritt ist die Ablösung der Zeichensysteme vom Menschen und vom Buch und ihre Überführung in eine datentechnische Umgebung, wo sie in der selbstgesteuerten Verkettung der Zeichen so etwas wie Bedeutung und Sinn produzieren sollen.

Die Bibliothekswissenschaft, die es damals auch in Deutschland noch gab, ließ sich das alles nicht zweimal sagen. Die während eines 1969 in Köln durchgeführten Kolloquiums versuchte Neubestimmung des Faches und ihres Gegenstandes namens »Bibliothek« kam zu dem Ergebnis, daß man die Bibliothekswissenschaft als Kommunikations- und/oder Informationswissenschaft rekonstruieren müsse und daß folglich auch die Bibliothek als Kommunikations- und/oder Informationseinrichtung zu gelten habe.16 Das war der Versuch, die Bibliothek als eine Synthese aus Informationstechnik (legitimiert durch die Informationswissenschaft) und gerade aufkommender Systemtheorie zu betrachten und also die Geschäftsgänge, in denen bislang Bücher in die Regale und zu den Benutzern transportiert worden waren, als In- und Outputprozesse von »Informationen« zu analysieren, bei denen es auf eine bestimmte Materialität nicht mehr ankam, die aber auf jeden Fall durch Computer zu steuern seien. Was das konkret heißt, brachte einer der Referenten des Kölner Kolloquiums auf den Punkt: »Wenn das gedruckte Papier als Mittel der Textspeicherung vom Magnetband, der Magnetplatte oder sonstigen Speichermedien abgelöst wird, wenn die Datenverarbeitung vollautomatisch im Computer erfolgt, der dann auf Befragen die gewünschte Information im Volltext erteilt, wenn dann überall nur noch die ›terminals‹ der Datenverarbeitungsanlagen stehen, dann wird die Rückwirkung der Informationswissenschaft auch auf die sozio-kulturelle Kommunikation und damit auch auf die Bibliothek umwälzend gewesen sein.«17

Diese Umwälzung begann in den Bibliotheken in den 1970er Jahren sichtbar zu werden. Nicht nur, daß nun überall das Geschäft der Katalogisierung von Büchern mittels Computern betrieben wurde und nicht mehr mit Schreibmaschine und Katalogzetteln, vielmehr drängte die Katalogisierung per Computer nahezu von selbst dahin, die Bibliotheken datentechnisch zusammenzuschließen, um durch gemeinsame Katalogisierung in Bibliotheksverbünden Kosten zu sparen und zugleich die Reichweite der Katalogisierungsarbeiten zu erhöhen: Was an einem Ort getan war, konnte nun bibliotheksverbundweit und — bei fortschreitenden datentechnischer Vernetzung der Bibliotheken — schließlich auf nationaler Ebene oder endlich gar global zur Verfügung gestellt werden.18 Hinzu kam, daß die nach der Ölkrise von 1973 einsetzende Rezession in den Bibliotheken zu drastischen Etateinschnitten führte und das bis dahin als Normalzustand empfundene Permanentwachstum der Bibliotheken in Frage stellte. Der Blick, der nun auf die Bibliotheken fiel, sah folglich keine Bücher mehr, die als »Schätze« auf Dauer zu horten waren, um ihren Wert in ferner Zukunft zu enthüllen; statt dessen sah man nun zunehmend nur noch »Medieneinheiten«, die teuer zu beschaffen waren und den knappen Speicherplatz in den Regalen rapide aufbrauchten, um die Bibliotheken eines schönen Tages in der Masse von Büchern zu ersticken. Hinzu kam schließlich, daß eine 1975 an der Universität von Pittsburgh durchgeführte Studie ergab, daß während eines Zeitraums von sieben Jahren rund 40 Prozent der von der Universitätsbibliothek Pittsburgh angeschafften Bücher nicht ausgeliehen wurden.19

Dies alles — die problematisch werdende Finanzierung der Bibliotheken, das fortgesetzte Bestandswachstum und die Frage der Nutzungsquote großer Bibliotheksbestände — führte um das Jahr 1980 innerhalb des Bibliothekswesens zu einer Art Legitimationskrise. An deren Beginn stellte man das Paradigma der »alexandrinischen Bibliothek« in Frage — will sagen: die wissenschaftliche Universalbibliothek, die im Prinzip alles sammelt, wurde als historisch erledigt erklärt —, um an ihrem Ende schließlich »das Ende der Bibliotheken« zu verkünden.20 An diesem Ende stand freilich ein legitimatorischer Neubeginn, der das Buch nun definitiv gegen die »Information« (und/oder die »neuen Medien«) und die Bibliothek gegen ihre digitale Version austauschte.

Damit wollte man sozusagen drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Durch Verstärkung der Vernetzung der Bibliotheken (und also Ausbau der inner- und interbibliothekarischen Datentechnik) sollten im Gesamtsystem der Bibliotheken Kosten gespart werden; durch Digitalisierung der Informationen erhoffte man sich eine Entschleunigung oder gar ein Ende des raumgreifenden Bestandswachstums; und zugleich sollte die fortschreitende Digitalisierung der Informationen den Bibliotheken einen Modernisierungsgewinn eintragen, durch den sie in der sich abzeichnenden Medienkonkurrenz attraktiv bleiben würden.21

Der Preis für den als »Innovationsschub«22 wahrgenommenen legitimatorischen Neubeginn lag allerdings darin, daß die »Information« sich nun vollends als das zeigte, was sie seit Licklider und dem Weinberg-Report war: Ein irgendwie kleinstes Wissenselement, das von Informationssystemen gespeichert und bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt werden sollte, um Forschung und Technik voranzubringen und den Wohlstand zu mehren. Kurz: »Information« war jetzt eine ökonomische Ressource, die nicht anders als die Bodenschätze gehoben, verarbeitet und gespeichert werden konnte. Folglich waren die Bibliotheken sich vernetzende Systeme zur »Informationsvermittlung«, und ebendas machten die Motti der Bibliothekartage und Bibliothekskongresse den Teilnehmern in zunehmendem Maße klar.23

Aus all dem folgte jedoch, anders als die Bibliothekare gehofft hatten, keine institutionelle Sicherung der Bibliotheken. Denn in dem Moment, als auch das steuerzahlende Publikum und die politische Klasse zu glauben begannen, daß es sich bei der »Information« um einen medienneutralen Rohstoff handelte,24 mußte die auf dem Felde der Ökonomie stets lauernde Frage aufkommen, ob dieser Rohstoff durch die Bibliotheken wirklich kostengünstig zu gewinnen und zu verteilen sei. Könnte man ihn nicht von woandersher billiger, leichter und vielleicht auch spielerischer beziehen, ohne all das spaßverderbende Drumherum, das die Bibliotheken als Bildungseinrichtungen auch im digitalen Zeitalter noch mit sich schleppen?25

Die Antwort auf diese Frage hat Google gegeben. An die Stelle einer Recherche in hochgradig strukturierten und daher auch komplexen Bibliothekskatalogen und Datenbanken, bei der die gesuchte Materialart oft auch über den Suchweg entscheidet, tritt ein einziger und einfacher Suchschlitz, der die Eingaben der Benutzer mit Tausenden, wenn nicht Millionen von Treffern belohnt, deren Sortierung sich aus der Popularität der Treffer ergeben soll. An die Stelle einer Bildungsinstitution mit ihren mentalen und sozialen Barrieren tritt der Computerbildschirm in wohlvertrauter heimischer Umgebung. Und an die Stelle von Büchern oder eines in den zeitgenössischen Bibliotheken nicht nur terminologisch favorisierten »Medienmixes« tritt eine rein digitale Medienumgebung, die Google in den letzten Jahren dank seines das Urheberrecht ignorierenden Digitalisierungsprogrammes mit den gescanten Inhalten ganzer Bibliotheken aufgewertet hat und weiter aufwerten wird.

Da Google für all das kein Geld verlangt, lautet die Summe dieser drei Schritte für alle, die Informationen suchen: kostenloser Zugang zu Informationen in einer digitalen Medienumgebung, die die historisch früheren Medien so weit integriert, wie es technisch möglich und für Google unter Umgehung des Urheberrechts finanziell angängig ist.

Damit löst Google mehr ein, als die diversen staatlichen Bibliotheksprogramme zu versprechen getrauten. So ist zwar die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 1995 vom Konzept einer integrierten digitalen Umgebung für die wissenschaftliche Informationsversorgung fasziniert, und sie hat das auch zur Aufgabe der Bibliotheken als »Informationsversorgungseinrichtungen« der Universitäten erklärt,26 aber Google hat seit seiner Gründung im Jahr 1998 solche Planungen spielend überholt und ist dabei, das, was für das gesellschaftliche Segment der Wissenschaft geplant war, unmittelbar massentauglich zu machen.

Blickt man von hier aus auf die Anfänge dieser Entwicklung zurück, kann man unschwer erkennen, daß aus der von Licklider im Jahr 1965 propagierten Verschmelzung von Bibliothek und Computer keine datentechnisch modernisierte Bibliothek entstand, sondern Google als Phönix aus der Bibliotheksasche stieg: Google ist im allgemeinen Bewußtsein längst die Informationsvermittlungsplattform schlechthin; und dieser Plattform ist es in der Tat gelungen, »Information« zu einer ausbeutbaren Ressource zu machen, wobei freilich die Gewinne, die bei dieser Ausbeute erzielt werden, bei Google anfallen. Die Bibliotheken kommen bei diesem Spiel nur noch als willfährige Zulieferer von »content« vor, die man, nachdem man ihre Bücher digitalisiert hat, als ausgepreßte Zitronen auf dem Kehrichthaufen der Geschichte zurückläßt. Das aber heißt: Es gibt in der Tat einen »body of knowledge«; sein Name lautet Google.

Dieser Körper repräsentiert jedoch, anders als der bibliothekarische Mainstream und selbst Google glauben mögen, keineswegs die absolute Freiheit der »Informationsversorgung«, weder in puncto Zugänglichkeit (access) noch in puncto Inhalt (content). Denn der Versuch, alles Digitalisierbare auch wirklich zu digitalisieren und über Google bereitzustellen und suchbar zu machen, verkennt, daß die Welt aus Wirklichem besteht, das auf vielerlei Weise besonders ist und gerade in dieser Besonderung Wirklichkeit hat. Die Gesellschaft steht in ihrer Struktur mit solchen besonderen Wirklichkeiten in einem Wechselverhältnis, sei es, daß bestimmte Segmente der Gesellschaft sich in bestimmten Wirklichkeiten artikulieren, sei es, daß bestimmte Wirklichkeiten die Gesellschaft in bestimmter Weise strukturieren. Das gilt zumal für die Wissenschaft, die — ihre diversen Vorformen eingerechnet — seit rund 5000 Jahren auf materielle Medien zurückgreift, in denen sie sich in ihrem Umfang und in ihrer Auffächerung darstellt, um aus der sehr materiellen Form der Darstellung zugleich den Impuls für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu gewinnen.

Man muß daher endlich zur Kenntnis nehmen, daß die Digitalisierung, die schon in ihrem fast noch unschuldigen ersten Schritt solche medienmateriellen Besonderungen negiert, durch ebendiese Negation genau dorthin treibt, wo sie ihre steilsten Apologeten bereits sehen: zu einem digitalen Double der Welt.27 Dazu muß die Negation Schritt für Schritt auf alles besondere Wirkliche ausgedehnt werden und jeden noch so kleinen »Medienbruch« beseitigen, denn nur in der digitalen Transformation aller Besonderungen kann das digitale Double auch wirklich als Reich der allgemeinen und medienbruchfreien Informationsversorgung erscheinen. Die bei diesem Geschäft anfallenden Widerstände werden mit dem Argument ausgeschaltet, daß die Widerständler den gesellschaftlichen Wohlstand im besonderen und den Fortschritt im allgemeinen behindern und im übrigen auch ganz und gar kein moralisches Recht auf Widerstand hätten: die Allgemeinheit der medienbruchfreien Informationsversorgung stehe über der informationellen Selbstbestimmung einzelner, die bei Abweichung von diesem Allgemeinen eben zur Räson gebracht werden müßten.

Das alles ist natürlich nichts anderes als die in digitalem Kostüm auftretende »Furie des Verschwindens«, die für Hegel die Quintessenz des auf die Französische Revolution folgenden Terrors war.28 Dieser entstand und mußte entstehen, als man das wahre Allgemeine durch Beseitigung alles Besonderen durchzusetzen versuchte. Denn sobald man sich wie die französischen Revolutionäre daran macht, das Besondere auszuschalten, um das Allgemeine durchzusetzen, muß man in einer stetig zunehmenden Anstrengung dafür sorgen, auch wirklich alles Besondere zu negieren, weil nur in der Negation des je Besonderen das Allgemeine auch unangefochten als das Allgemeine durchgesetzt werden kann. Dabei wird eine Dynamik freigesetzt, welche die je besonderen Bestände in zunehmendem Tempo und mit zunehmender Gewalt einem Tun unterwirft, das in der Absicht, das wahre Allgemeine als das Übergeordnet-Positive durchzusetzen, doch immer nur »negative[s] Tun« bleiben kann.29

Das Anfangsstadium derselben »Furie des Verschwindens« finden wir, wenn wir die zeitgenössischen Versuche betrachten, das digitale Allgemeine durchzusetzen. Das dabei freigesetzte negative Tun negiert nicht nur die Besonderung der verschiedenen Medien, sondern ebenso die mit diesen Besonderungen betrauten Institutionen und Körperschaften, um zuletzt noch die Personen als besondere auszuschalten. Denn besonders sind die Personen — auch das kann man von Hegel lernen — durch ihren Leib und durch das, was sie je für sich ihr Eigentum nennen, so daß sie sich ebendarin in dem, was sie sind, für andere darstellen und als Person »be-greifbar« werden.30 Das aber heißt auch, daß das Eigentum für die Person die »äußere Sphäre ihrer Freiheit« ist, denn in dem, was eine Person je leiblich ist und was sie besitzt, findet sie die unmittelbare Wirksphäre ihres Willens; nicht als abstraktes Wollen von was auch immer, sondern als konkreter und also besonderer Wille, der sich selbst als Person erhalten will.31 Es ist daher nur konsequent, wenn die digitale Furie des Verschwindens dazu ansetzt, das Urheberrecht und über das Urheberrecht die Wissenschaftsfreiheit der Forscher anzugreifen, denn im Urheberrecht und der Wissenschaftsfreiheit manifestiert sich die Widerständigkeit einer Person, die in ihrer Besonderung etwas Besonderes und nicht das Allgemeine realisieren will.32

Je mehr sich daher die Bibliotheken als Transmissionsriemen eines allgemeinen gesellschaftlichen Willens auf Informationsversorgung und -freiheit ins Spiel zu bringen versuchen,33 desto mehr muß man betonen, daß dieser Transmissionsriemen ein negatives Tun umsetzt, das nichts weiter als die »negative Freiheit« erreichen kann,34 die in der Zerstörung des Vorhandenen liegt. Von dort aus gibt es keinen Weg zu einem positiven Werk, das, wie es der Hegel-Interpret Charles Taylor einmal so schön formuliert hat, als das ganz Verwirklichte das realisierte Besondere wäre.35 Was es auf diesem Weg vielmehr gibt, ist ebenjener revolutionäre Prozeß, der am Ende seine eigenen Kinder auffrißt und sich erst dann erschöpft, wenn alles Alte hinweggeräumt und jeder Widerstand beseitigt ist. Was man dann haben wird, wird keine Informationsfreiheit sein, sondern »die Freiheit der Leere«.36

Die Einbildung der Information

Die gesamte furiose Entwicklung, wie ich sie hier dargestellt habe, verdankt sich dem leitenden Begriff der »Information«. Das Wort hat eine in die Antike zurückreichende Geschichte,37 deren Pointe darin liegt, daß es im Grunde bedeutungsgleich mit dem Wort »Bildung« ist — das lateinische in-formatio meint in der Tat wortwörtlich nichts anderes als eine »Ein-Bildung« oder »Ein-Prägung«, wurde aber früh schon für »Bildung« im Sinne von »Unterrichten«, »Unterweisen« benutzt —, sich aber in der Neuzeit im deutschen Sprachraum von diesem abzuheben beginnt: »Bildung« übernimmt semantisch den gesamten pädagogischen Kontext der »Lehre« und »Unterweisung«, während »Information« sich semantisch auf die »Mitteilung« und die »Nachricht« verengt. In dieser Verengung greift es die moderne Informationstheorie auf und macht es zu ihrem Leitbegriff.38

Dabei findet freilich etwas statt, was der Philosoph Peter Janich »die Naturalisierung der Information« genannt hat.39 Sie besteht im wesentlichen darin, kommunikative Vorgänge zwischen Menschen zu mechanisieren (Grammophon, Telephon) und in einem späteren Stadium zu elektronisieren (Computer), so daß der bisher flüchtige Schall auf einem Trägermedium dauerhaft speicherbar wird, um dann zu unterstellen, die kommunikationsspeichernden Maschinen seien in der Lage, von selbst zu kommunizieren, folglich in ihrer kommunikativen Leistung dem Menschen gleichzusetzen und als Naturgegenstände zu betrachten.

Diese Gleichsetzung von Mensch und Maschine würde freilich nur funktionieren, wenn man zeigen könnte, daß so etwas wie »Sinn« und »Bedeutung« aus der materiellen Struktur von Dingen entstehen kann und auf sinn- und sprachbegabte Menschen nicht angewiesen ist; daß Geist aus Materie »emergiert«, wenn nur die Materie hinreichend komplex ist. Genau das ist das Programm der Informationstheorie und der Informationswissenschaft, die ein ums andere Mal davon ausgehen, daß die Semantik einer Sprache (Sinn, Bedeutung, Geist) aus der Syntax materiegebundener Zeichen und Signale (Daten) erzeugt werden könne, weshalb man nichts weiter als Maschinen benötige, die in der syntaktischen Verkettung von Zeichen oder Signalen dank zunehmender maschineller Komplexität irgendwann einmal zur Semantik durchstoßen und also selber denken und sprechen können.

Ein solcher Durchstoß ist indessen nirgends erfolgt und wird auch nirgendwo erfolgen. Denn auf der Ebene der Maschinen findet weder eine Sprach»verarbeitung« noch ein Verstehen von Sprache und folglich ein echtes Sprechen statt, sondern nichts weiter als ein von menschlichen Programmierern gesteuertes Fließen von Strom und Umlegen von Schaltern, das in jedem einzelnen Schritt im Rahmen der maschinellen Syntax bleibt, die wiederum von menschlichen Bauplänen abhängt. Kurz und gut: Maschinen im allgemeinen und eben auch die »informationsverarbeitenden Systeme« im besonderen — zu denen sich die Bibliotheken ja seit den 1960er Jahren zunehmend zählen — sind künstlich von Menschen hergestellte Dinge und keine natürlichen Wesenheiten, die etwas »von selbst« können, schon gar nicht sprechen und denken. Und daraus ist mit Peter Janich der Schluß zu ziehen: »Die Rede von der Maschinenleistung bleibt metaphorisch«.40 Will sagen: Der Mensch ist das einzige uns bekannte Wesen, das über Sprachkompetenz und damit auch über die Möglichkeit zur Mitteilung und die Möglichkeit zu Wissen verfügt.

Natürlich wird man einwenden, daß in der bibliothekarischen Praxis längst nicht so heiß gegessen wird, was die informationswissenschaftliche Theorie zusammenkocht. Das ist aber eine im Bibliothekswesen weit verbreitete Selbstillusion in strategischer Absicht: Man übernimmt den schicken Begriff der »Information« zwecks Legitimation des eigenen Tuns, meint aber, über die Verwendung und die Problematik des Begriffs keine Rechenschaft ablegen zu müssen. Statt dessen tut man so, als sei die Umbenennung der Bibliotheken zu »Bibliotheks- und Informationssystemen«, die man da und dort mit den Rechenzentren zu »Informations-, Kommunikations- und Medienzentren« oder zu abstrakten »Serviceverbünden« zusammenführt, ein legitimatorischer Selbstläufer, während man in Wahrheit von ebenjenem Legitimationspotential lebt, mit dem die Informationswissenschaft den Begriff der »Information« aufgeladen hat. Dieses Legitimationspotential liegt aber in nichts anderem als der Naturalisierung der Information, also in der Vorstellung, »Information« sei irgendwie eine natürliche Entität, die ohne den Menschen von selbst einen Bestand habe und als solche von »informationsverarbeitenden Systemen« à la Bibliotheken empfangen, gespeichert und gesendet werden könne.

Genau darauf setzt ja seit den 1960er Jahren nicht nur der bibliothekarische Mainstream, assistiert und/oder angeleitet von den Gremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wenn er immer wieder die Floskel von der »Information als Rohstoff« oder der »Information als einer volkswirtschaftlichen Schlüsselressource« bemüht. Denn um kapitalisierbarer »Rohstoff« oder »Ressource« zu sein, muß man »Information« als eine quantitative Entität denken, die als solche ihren Wert und ihre Bedeutung in sich selbst hat.41

Daß der bibliothekarische Mainstream »Information« tatsächlich in dieser Weise denkt, ist leicht zu zeigen. Ein Blick in eine beliebige bibliothekarische Publikation genügt, um dort auf vielfältige Engführungen des Wissens- mit dem Informationsbegriff zu stoßen und immer wieder zu lesen, daß »Informationen« »erworben, evaluiert und verarbeitet werden«, und daß sie also in irgendeiner Weise eine »Menge an Wissen« bilden und in dieser Eigenschaft ein »Rohstoff für Innovationen« sein sollen.42 Damit sitzt das gesamte Bibliothekswesen nicht nur dem Fehlschluß auf, »Information« als eine natürliche Wesenheit zu betrachten,43 vielmehr betreibt das Bibliothekswesen auf der Basis der naturalisierten Information in seinem gesamten Entwurf eine Verkürzung des Menschen auf einen bloßen Nutzer (»user«) von »Informationen«: Diese treten dem Menschen als vorab verfertigte Entitäten gegenüber, bei denen es höchstens noch darum geht, aus der maschinell gestützten Kombination von bereits vorhandenen »Informationen« neue »Informationen« zu generieren, so wie man eben Rohstoffe unter Verwendung anderer Rohstoffe zu Produkten aller Art veredeln kann. Konsequenterweise ist dann natürlich auch das als »Information« mißverstandene »Wissen« ein jederzeit fertiges Wissen, das einzig unter dem Aspekt interessiert, ob und wie es am besten in Umlauf gebracht werden kann; und ebenso ist Wissenschaft in diesem Weltbild im Grunde immer schon fertige Wissenschaft, die Neues nur finden kann, wenn sie aus bereits vorhandenem Alten auswählt und dieses rekombiniert. Kurz: Wir haben hier ein monologisches Verständnis von Sprache und Wissen(schaft) vor uns, das unterstellt, Sprechen und Wissen(schaft) sei ein permanentes Auswählen von Elementen aus einem vorgegebenen Repertoire, das, man weiß nicht wie, schon vorhanden und allen gemeinsam ist.44

Wenn aber Sinn und Bedeutung sich nicht von selbst aus der syntaktischen Verschaltung von Dingen (Daten) ergibt, sondern von Menschen abhängt, die etwas mit Sinn aufladen und Zeichen als Zeichen betrachten, dann sind auch die Bibliotheken keine sich selbst tragenden »informationsverarbeitenden Systeme« oder »Informationsvermittlungseinrichtungen«, in denen man »Informationen« so abholt wie im Supermarkt die Milch. Sie sind vielmehr schlicht das, was sie immer schon waren: Gesellschaftliche Institutionen, in denen Menschen miteinander handeln und reden und in diesem Handeln und Reden dialogisch Sinn erzeugen, eben auch jenen Sinn, der eine Institution wie die Bibliothek allererst sinnvoll macht.

Aus dieser schlichten Erkenntnis folgt, daß der Sinn der Bibliotheken nicht im Phantom der »Information« zu finden ist, sondern im äußerst wirklichen, weil leibgebundenen Menschen. Einzig der Mensch schafft in gemeinsamem Reden und Handeln jenen Sinn, durch den die Welt mit ihren Wesen und Dingen sinnvoll wird, und das gilt auch für das Wissen, das er sich in gemeinsamem Reden und Handeln mit anderen erarbeiten muß.45 Kurz: Sinn, Wissen und Wissenschaft gibt es nur, weil es Menschen gibt, die als leibliche Wesen an konkreten Orten zu konkreten Zeiten miteinander reden und handeln und damit etwas tun, was kein Kalkül der Welt errechnen und was kein »informationsverarbeitendes System« der Welt verarbeiten kann. Und weil das so ist und aus keinem anderen Grund sind Bibliotheken gesellschaftliche Institutionen, in denen Menschen im gemeinsamen Reden und Handeln Sinn schaffen. Sie sind es als Institutionen für leibgebundene Lebewesen, und das heißt: sie sind es als konkrete Räume, die gemeinsames Reden und Handeln entweder fördern oder behindern. Sie sind es zuletzt als Institutionen, die in den Medien, die sie für leibgebundene Lebewesen namens Mensch bereitstellen, diese Leibgebundenheit und damit auch die Konkretion von Zeit und Raum zum Ausdruck bringen oder negieren.

Solche Konkretionen wird man ohne eine Abkehr vom Paradigma der »Information«, das mit seiner subkutanen Naturalisierung die Bibliotheken auf einen auf naturwissenschaftlich-technische Verwertung zielenden Wissens- und Wissenschaftsbegriff festlegt, nicht erreichen können. Das aber heißt: Man muß die bibliothekarischen Grundbegriffe, die Ausbildungseinrichtungen, die Organisationsformen und die personellen Rekrutierungsmechanismen so umwenden, daß die Bibliotheken nicht länger mehr mit unablässig zunehmendem Tempo in jenem Abschaffungszug fahren, dessen unterirdische Endstation »Google« heißt.

Wohin es nach der Umwendung statt dessen gehen soll? Darauf gibt es eine einfache Antwort: langsam nach oben ins Freie.

Literaturliste

Blagden, John: Do we really need libraries? An assessment of approaches to the evaluation of the performance of libraries. New York [u. a.]: Saur, 1980.

Capurro, Rafael: Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. München [u. a.]: Saur, 1978.

Capurro, Rafael: Leben im Informationszeitalter. Berlin: Akademie Verlag, 1995. Derrida, Jacques: Grammatologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1974.

Deutsche Forschungsgemeinschaft / Bibliotheksausschuß und Kommission für Rechenanlagen: Neue Informations-Infrastrukturen für Forschung und Lehre. 1995.

Deutsche Forschungsgemeinschaft: »Wissenschaftliche Literaturversor- gungs- und Informationssysteme. Schwerpunkte der Förderung bis 2015«. In: Bibliotheksdienst 40 (2006), S. 994–1002.

Deutsche Gesellschaft für Dokumentation (Hrsg.): Wissenschaft, Regierung und Information. Report of The President’s Science Advisory Committee USA (Weinberg-Bericht). Genehmigte dt. Übers. des Weinberg-Berichtes vom 10. Januar 1963. Frankfurt am Main: Deutsche Gesellschaft für Dokumentation, 1964.

Endres-Niggemeyer, Brigitte (Hrsg.): Neue Informations- und Kommunikationstechniken. Kolloquium zur Fachlichen Meinungsbildung im Bereich Bibliothek, Information und Dokumentation <1983, Hannover>. München [u. a.]: Saur, 1984.

Gantert, Klaus / Hacker, Rupert: Bibliothekarisches Grundwissen. 8., vollstän- dig neu bearb. u. erw. Aufl. München: Saur, 2008.

Gore, Daniel (Hrsg.): Farewell to Alexandria. Solutions to space, growth, and performance problems of libraries. Westport, Conn. [u. a.]: Greenwood Press, 1976.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Hrsg. von Bernhard Lakebrink. Stuttgart: Reclam, 1981.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Phänomenologie des Geistes. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1973.

Information als Rohstoff für Innovation. Programm der Bundesregierung 1996–2000. Bonn, 1996.

Janich, Peter: Was ist Information? Kritik einer Legende. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006.

Jochum, Uwe: »Der Souverän«. In: Libreas 5 (2009). URL: https://libreas.eu/ausgabe15/texte/006.htm

Jochum, Uwe: Kleine Bibliotheksgeschichte. 3., erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2007.

Jochum, Uwe: Kritik der Neuen Medien. Ein eschatologischer Essay. München: Fink, 2003.

Kent, Allen u. a.: Use of library materials. The University of Pittsburgh study. New York [u. a.]: Dekker, 1979.

Kierkegaard, Sören: Einübung im Christentum. Hrsg. u. eingel. von Walter Rest. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1977.

Kittler, Friedrich A. (Hrsg.): Austreibung des Geistes aus den Geisteswissen- schaften. Programme des Poststrukturalismus. Paderborn: Schöningh, 1980.

Krieg, Werner (Hrsg.): Bibliothekswissenschaft. Versuch einer Begriffsbestimmung in Referaten und Diskussionen bei dem Kölner Kolloquium (27.–29. Oktober 1969). Köln: Greven, 1970.

Kuhlen, Rainer: »Information«. In: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. Hrsg. von Rainer Kuhlen / Thomas Seeger / Dietmar Strauch. Bd. 1. München: Saur, 2004, S. 3–20.

Licklider, Joseph Carl Robnett: Libraries of the future. Cambridge, Mass.: M. I. T. Press, 1965.

Mittler, Elmar: »Entwicklungstrends im Bibliotheks- und Informationswesen. Überle- gungen zu einer Bibliothekspolitik der 80-er Jahre«. In: Bibliothek 6 (1982), S. 123–126.

Reuß, Roland: »Eingecremtes Publizieren. Open Access als Enteignung«. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.2.2009, S. N5.

Reuß, Roland / Rieble, Volker (Hrsg.): Autorschaft als Werkherrschaft in digi- taler Zeit. Frankfurt am Main: Klostermann, 2009.

Seiffert, Helmut: Information über die Information. Verständigung im Alltag, Nachrichtentechnik, wissenschaftliches Verstehen, Informationssoziologie, das Wissen der Gelehrten. 2. Aufl. München: Beck, 1970.

Sühl-Strohmenger, Wilfried: Digitale Welt und Wissenschaftliche Bibliothek — Informationspraxis im Wandel. Determinanten, Ressourcen, Dienste, Kompetenzen. Eine Einführung. Wiesbaden: Harrassowitz, 2008.

Thompson, James: The end of libraries. London: Bingley, 1982.

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur digitalen Informationsversorgung durch Hochschulbibliotheken. Drucksache 4935-01. Greifswald, 2001.

Anmerkungen

  1. Licklider: Libraries of the future, S. 5 f. 

  2. Ebd., S. 6: »a meld of library and computer«. 

  3. Der Weinberg-Report liegt auf Deutsch vor: Deutsche Gesellschaft für Dokumentation: Wissenschaft, Regierung und Information. Ich zitiere nach der dort zu findenden Paginierung der amerikanischen Ausgabe. 

  4. Deutsche Gesellschaft für Dokumentation: Wissenschaft, Regierung und Information, S. 8. 

  5. Ebd., S. 7. 

  6. Ebd., S. 34. 

  7. Ebd., S. 7. 

  8. Licklider: Libraries of the future, S. 126 f. 

  9. Mehr als eine Fußnote wert ist der Hinweis, daß für die Vorarbeiten zu Lickliders Buch eine Reihe von Experten befragt wurden, die ausschließlich jenen Firmen und Forschungseinrichtungen angehörten, die man als äußerst computeraffin bezeichnen muß: leitendes Personal der Bell Laboratories gehört ebenso dazu wie Manager von IBM; und auf keinen Fall sollte man Warren Weaver vergessen, dessen zusammen mit Claude Shannon verfaßtes Buch über als offizieller Startschuß der Informationstheorie gilt. Siehe Lickliders Libraries of the future, S. VI f. 

  10. Siehe, allerdings aus späteren Jahren, den einschlägigen Titel von Kittler: Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften. 

  11. Derrida: Grammatologie, S. 150. 

  12. Ebd., S. 17, 18 u. ö. 

  13. Ebd., S. 35, 152–156. 

  14. Siehe ebd., S. 154 f. und dort besonders Fußnote 34. 

  15. Ebd., S. 20. 

  16. Siehe die Beiträge von Kluth und Cremer in Krieg: Bibliothekswissenschaft

  17. So Kluth in seinem Referat ebd., S. 128. 

  18. Siehe Jochum: Kleine Bibliotheksgeschichte, S. 194–201. 

  19. Die Pittsburgh-Studie wurde 1979 veröffentlicht: Kent u. a.: Use of library materials

  20. Siehe die einschlägigen Veröffentlichungen von Gore: Farewell to Alexandria, Blagden: Do we really need libraries? und Thompson: The end of libraries

  21. Paradigmatisch für die Problemanalyse und die Vorschläge ist Mittler: »Entwicklungstrends im Bibliotheks- und Informationswesen«. 

  22. So das Vorwort der Herausgeberin Endres-Niggemeyer zu dem Band Neue Informations- und Kommunikationstechniken, S. 5. 

  23. Hier eine Liste der einschlägigen Motti: »Bibliotheken als Informationsvermittler« (Stuttgart 1978), »Bibliotheken im Verbund« (Wuppertal 1980). »Bibliotheken, Service für die Zukunft« (Leipzig 1993), »Die Herausforderung der Bibliotheken durch elektronische Medien und neue Organisationsformen« (Göttingen 1995), »Von Gutenberg zum Internet« (Dortmund 1997), »Bibliotheken — Portale zum globalen Wissen« (Bielefeld 2001), »Netzwerk Bibliothek« (Dresden 2006), »Wissen bewegen — Bibliotheken in der Informationsgesellschaft« (Mannheim 2008). 

  24. Siehe das 1996 von der Bundesregierung vorgelegte Programm Information als Rohstoff für Innovation, das schon im Titel festhält, um was es geht. Das ist seither zur diskursiven Selbstverständlichkeiten geworden, wie der Wissenschaftsrat in seinen 2001 veröffentlichten Empfehlungen zur digitalen Informationsversorgung durch Hochschulbibliotheken zeigt, wo es S. 5 heißt: »Information ist eine Schlüsselressource des 21. Jahrhunderts.« 

  25. Der Wissenschaftsrat hatte bereits im Jahre 2001 geahnt, daß der Wechsel von einem Bildungs- zu einem ökonomischen Kontext für die »Bildungsinstitutionen« eine verstärkte Konkurrenz mit sich bringen werde, so daß es darauf ankomme, »nutzerspezifische Bildungsangebote, auch für den internationalen Markt«, bereitzustellen. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur digitalen Informationsversorgung durch Hochschulbibliotheken, S. 7 f. 

  26. Im Jahre 1995 hieß das terminologisch noch »Entwicklung neuartiger verteilter Informationssysteme für die wissenschaftliche Kommunikation und Publikation«, siehe Deutsche Forschungsgemeinschaft / Bibliotheksausschuß und Kommission für Rechenanlagen: Neue Informations-Infrastrukturen für Forschung und Lehre (dort in der »Zusammenfassung«). Im Jahre 2006 heißt es dann sehr deutlich in Deutsche Forschungsgemeinschaft: »Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme«, S. 1001: »Ziel ist die Implementierung einer integrierten digitalen Umgebung für die wissenschaftliche Informationsversorgung aller Disziplinen und Fächer in Deutschland bis 2015.« 

  27. Dazu meine Kritik der Neuen Medien

  28. Hegel: Phänomenologie des Geistes, S. 436. 

  29. Ebd. 

  30. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, § 40. 

  31. Ebd., § 41. 

  32. Zur Analyse dieser Vorgänge Reuß: »Eingecremtes Publizieren«, Reuß / Rieble: Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit, Jochum: »Der Souverän« und die weitere Debatte um den »Heidelberger Appell« (http://www.textkritik.de/digitalia/). 

  33. Man schaue sich nur die Unterzeichnerliste des Aktionsbündnisses »Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft« (http://www.urheberrechtsbuendnis.de/index.html.de) an: Die Liste fällt dadurch auf, daß sie zu einem erheblichen Teil von Bibliotheksverbänden, Bibliotheken und Bibliothekaren unterzeichnet wurde. 

  34. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, § 5. 

  35. Taylor: Hegel, S. 536. 

  36. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, § 5. 

  37. Dazu als Standardwerk Capurro: Information

  38. Seiffert: Information über die Information, S. 28–30. 

  39. Siehe Janich: Was ist Information?, dem ich in meinen Ausführungen folge. 

  40. Ebd., S. 161. 

  41. Zur Kritik der »Information als Kapital« siehe das fünfte Kapitel von Capurro: Leben im Informationszeitalter

  42. Der erste Beleg stammt aus Sühl-Strohmenger: Digitale Welt und Wissenschaftliche Bibliothek, S. 31, der zweite Beleg aus Kuhlen: »Information«, S. 15, der dritte Beleg aus Gantert / Hacker: Bibliothekarisches Grundwissen, S. 14. 

  43. Das ist, um es mit Kierkegaard zu sagen, wahrlich eine »Mystifikation durch Zeichen«. Kierkegaard: Einübung im Christentum, S. 147. 

  44. Siehe die Bemerkungen Janichs zum monologischen Ansatz der Morris’schen Sprachwissenschaft und ihrer Auswirkungen für die Informationstheorie in Janich: Was ist Information?, S. 47, 81. 

  45. Siehe ebd., S. 151.