Homo religiosus II

Seine Götter — Abhängigkeit

Geschrieben von Jürgen Schmid am 14.10.2026

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Retardierung


Jürgen Schmid

Historiker

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Homo religiosus I

Seine Welt — Kosmos, Schöpfung, Ordnung


Homo religiosus I

Seine Welt — Kosmos, Schöpfung, Ordnung

Auf einer Wiese über meinem Heimat­ort, an einem schma­len Feld­weg, weit weg von den letzten Häusern, noch nicht ganz am Wald­rand, stand ein kleines Apfel­bäumchen.

Immer, wenn ich vom Dorf zum Wald hinauf­ging oder von dort herab­kam, freute mich sein Anblick. In jeder Jahres­zeit gab es dem Bauern­land das Beson­dere: Im Winter, wenn es kahl stand und oft eine Schafherde um es herum blökte und graste. Im Früh­ling, wenn es als weiß blühen­der Farb­tupfer im sat­ten Wiesen­grün leuch­tete. Im Sommer mit seinen Früch­ten prangend — und im Herbst sich all­mäh­lich verfärbend.

Eines Tages war das Bäum­chen nicht mehr da. Man hatte es ab­gehauen. Jetzt, als die Leere, die es hinter­lassen hatte, un­überseh­bar war, kam mir der Ge­danke, es könnte ein Frevel sein, so einem Baum ohne Not das Leben zu nehmen. Alleine schon die Frage, ob Leben in einem Baum sein könnte, das über etwas natur­wis­sen­schaft­lich Be­schreib­bares hin­aus­geht, ob es also etwas gibt wie eine Baum­seele, dürfte den, der so etwas denkt, in jeg­lichen Miß­kredit bringen. Alleine, wer nach der Seele der Reli­gion sucht, darf sich davon nicht er­schrecken lassen.

Beseelung

Der Naturmensch rangiert sich mit seinen Neben­ge­schöpfen auf gleichem Ni­veau ein, er schreibt nicht nur Men­schen, Tieren, Pflan­zen, sondern auch Steinen und Haus­ge­räten Seele und Wieder­auf­erstehen im Jen­seits zu. Sprach­bilder zeugen von einer tiefen Iden­ti­fi­ka­tion: So wie Baum und Pflan­ze blühen, wach­sen und welken, so auch der Mensch — »in seiner Ver­gäng­lich­keit gleicht er dem Grase des Feldes; der Mann in seiner Kraft er­innert an die starke Eiche, das hin­gebende, an­mutige Weib an den um­rankenden Epheu, die duften­de Blume«.

Bäume sind »persön­liche We­sen«, »Körper einer durch den Tod dem Menschen­leibe ent­rückten Seele« oder »Wohn­sitz eines Schutz­geistes«, der zu heilen im­stande ist. Die Baum­seele wirkt aber auch als »Genius des Wachs­tums«, als Vege­ta­tions­gott­heit, sichtbar an der wieder­kehren­den »Ver­jüngung der Pflan­zen­welt im Früh­ling« und von viel­fältigem Brauch­tum be­gleitet, etwa dem Mai­baum­auf­stellen.

Was bei vor­christ­lich ger­ma­ni­schen Völ­kern geglaubt wurde, findet sich nahe­zu über­all auf der Welt: Wenn die Trobrian­der der Süd­see ein Boot bauen, müs­sen sie dafür einem Baum das Leben nehmen. Dies ge­schieht in Ehr­furcht vor den Gei­stern, die ihn be­seelen, unter zere­mo­nialen Ge­beten.

Die Temne, ein Stamm an der West­küste Afri­kas, ver­ehrten einen Baum sogar als Gott. Zumindest legt der Be­richt von Alvaro Velho dies nahe. Als Matrose auf Vasco da Gamas Ex­pe­di­tion nach In­dien an die Küste West­afri­kas ge­langt, ver­brachte er dort um 1500 viele Jahre. Er be­richtet von einem Crü ge­nannten alt­ehr­würdigen Baum, der für die Temne ein Gott war. Kuru — das ist in der Stam­mes­sprache der Be­griff für Gott, ebenso Ge­heim­nis und (höchste) Macht — »das, woran man glaubt«.

Die Pygmäen, die im Ituri­wald des Kongo um­her­streifen, wenden sich an den Busch­gott Mbali, Vater oder Wald genannt, als ihrem Schöpfer. Zu ihm rufen die Frauen, wenn sie durch den Busch ziehen, er möge sie glück­lich ge­leiten, Leid fern­halten, die Jagd nach Schlan­gen und Ter­miten ge­lingen lassen, aber auch:

Schwanger­schaft gib mir, o Mbali,
Schwanger­schaft gib mir, daß ich gebäre.

Eben­falls um Jagd­beute, um Wild, bit­ten die Männer Mbali, und sie rufen Hilfe herab in Not­situa­tio­nen:

O Gott, Re­gen möge nicht kommen,
möge nicht fal­len mit großem Wind.
Die Kinder sind im Wald, es regne sachte.

Was für die Balese-Efe gilt, ihre Ver­ehrung für den als gött­lich er­fahre­nen Wald, findet sich ähn­lich bei den be­nach­barten Bam­buti, die über­zeugt sind: »Der Wald ist das Gute«. Spüren die Bam­buti, daß der Wald sich re­gene­rieren muß, singen und tanzen sie, um sein Herz zu er­freuen.

In der Sahel­zone ist Was­ser das kost­barste Gut; so er­zäh­len die Yende in Benin diese Ge­schichte:

Der Regen sagte ein­mal: »Ich bin der Herr des Him­mels! Mensch und Tier er­halten von mir ihre Nahrung!« »Ich bin der Herr der Erde«, ent­geg­nete der Was­ser­teich, »bei mir holen die Frauen ihr Was­ser! Von mir sind die Fische!« Kaum hatte er dies ge­sagt, da hörte der Re­gen auf zu fallen, ein ganzes Jahr. Der Teich trock­nete aus. Die Fische star­ben da­hin. Da ging der Teich zum Regen: »Du bist wahr­haftig der Herr des Him­mels!«, sagte er, »gib mir jeden Tag Was­ser!« Und es re­gnete und re­gnete nun jeden Tag.

Erschei­nungen der Natur sind be­seelt, ja gött­lich. In Afrika werden unter­schied­liche Er­schei­nungen der Natur als numi­nos ver­ehrt, die alle eines ge­mein­sam haben: es sind Leben spen­dende Kräfte, ohne die der Mensch nicht existie­ren kann, an die er ge­bun­den ist und von denen sein Wohl und Wehe ab­hängt.

Dem Volk Isra­els er­scheint dessen Gott, Jahwe, beim Aus­zug aus Ägypten in einer Wolke, die es in die Wüste führt. Als das Volk dort zu murren be­ginnt, er­scheint Jahwe aber­mals in der Wolke, zuerst dem Mose und den Älte­sten des Vol­kes, die um die Stifts­hütte ver­sam­melt stehen:

Da kam der Herr her­nieder in der Wolke und re­dete mit ihm [Mose] und nahm vom Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die sieb­zig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, ge­rieten sie in Ver­zückung […].

Jahwe ist nicht nur Ge­leiter und Geist­spender, er ist auch einer, der zürnt:

Vom Herrn der Heer­scharen wird Strafe ge­übt werden mit Don­ner und Erd­beben und mit großem Krachen, Sturm­wind und Un­gewit­ter und mit ver­zeh­renden Feuer­flammen.

Im Umfeld des alten Israel findet sich der Gott Baal, der Wolken­reiter:

Und nun wird Baal die Zeit seines Regens fest­setzen […]
Und er wird er­schallen las­sen seine Stimme in den Wolken,
Indem er ab­schießt zur Erde die Blitze.

Der Mensch erkennt die Schöpfung als das, was Leben er­mög­licht. Er ist von dieser Schöpfung, andere nen­nen sie Um­welt oder Natur, ab­hängig. Weil der Regen Fluch und Segen zugleich sein kann, ver­ehrt und fürchtet ihn der Mensch, er bringt seiner Er­scheinung Ehr­furcht ent­gegen. In dem, was Not tut, Leben spendet und zu­gleich be­droht, wirken gött­liche Kräfte.

Viel von diesen ur­alten Vor­stel­lungen schwingt mit, wenn die katho­li­sche Kirche den Wet­ter­segen er­teilt:

Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch ge­deih­liches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Un­heil von euch fern. Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.

Meine Mutter erzählt mir oft, wie sie mit ihren Eltern bei Donner, Blitz und Hagel um den Küchen­tisch ge­sessen ist — und man gebetet hat, das Un­wet­ter möge Haus und Land ver­schonen. Diesen Menschen war durchaus be­wußt, in einem Haus mit Blitz­ab­leiter zu wohnen; doch der Drang des Homo reli­gio­sus in ihnen scheint höher gewesen zu sein als alle Ver­nunft.

Was eigent­lich spricht da­gegen an­zu­nehmen, daß Reli­gion zunächst als Ani­mis­mus ent­standen ist, aus der exi­stentiel­len Not­wendig­keit heraus, mit der Schöpfung, wie sie ist, zu leben? Ein Homo re­li­gio­sus, der kein Ani­mist ist, scheint ohne­hin kaum denkbar. Ein Scha­mane, so erzählt Martin Mose­bach, habe ihm ein­mal gesagt, ein Stein, der aus der Erde aus­ge­graben wird, bräuchte eine lange Zeit, um sich von diesem Schock zu er­holen. Der Dichter meint dazu: »Ich halte das für wahr­schein­lich«.

Viele Hypothesen, wie die Reli­gio­sität des Men­schen begann (wenn sie denn »be­ginnen« mußte), etwa die Ur­mono­theis­mus­theorie des Steyler Mis­sionars­paters Wilhelm Schmidt, sind kaum halt­bar; deutlich wahr­schein­licher dürften ani­misti­sche An­fänge sein, wie sie noch bei Adal­bert Stifter nach­klingen, der nichts weiß »von einem zum ab­strakten Geist ver­flüchtig­ten Gott«, sondern »fühlt, wie er andringt aus Busch und Baum, aus Gluten des Som­mers, aus herbst­lichem Licht und maje­stäti­scher Winter­nacht«. Der evan­ge­lische Theo­loge Jürgen Molt­mann sieht es nicht anders: »Mystik sieht Gott in allen Dingen und alle Dinge in Gott und nimmt damit alle Dinge in die Ehr­furcht vor Gott hinein.« Aber wenn Gott über­all spürbar ist, mit seinem Segen und seinem Zorn — ist er auch nahbar?

Entrücktheit

In einer religiösen Gemein­schaft, dem Katho­lizis­mus der Jetzt­zeit, ist in einer Welt­gegend, die sich selbst »der Werte­westen« nennt, dessen Werte nicht un­wesent­lich darin be­stehen, einem Mann zuzu­ge­stehen, per Wil­lens­bekun­dung eine Frau sein zu dürfen, ein skur­riler Streit darüber ent­brannt, wie man die Got­tes­myste­rien zu be­gehen habe. Die Tra­di­tiona­listen haben sich dazu ver­stiegen, dies so zu tun, wie es Gene­ra­tion um Ge­ne­ra­tion vor ihnen getan haben; vor­läufig durch­gesetzt hat sich aller­dings eine Grup­pierung unter dem Namen »Re­former«, die den Ritus so sehr dem Fort­schritt in seiner je­weili­gen Form, deren Moden ra­sant wechseln, ge­öffnet hat, daß ihre Vor­fahren das, was sie gerade tun, wohl kaum als den ihnen be­kannten Got­tes­dienst er­kennen würden. Die Re­for­mer führen als eines ihrer Haupt­argu­mente an, sie hätten den Got­tes­dienst aktua­li­sieren müs­sen, um den Gläubi­gen eine leich­tere Zu­gäng­lich­keit zu den Geheim­nissen Got­tes zu er­mög­lichen (was man durch Ab­schaffung der Kir­chen­sprache Latein zu­gun­sten der je­weiligen Volks­sprache er­reichen wollte), während die Tra­di­tio­nali­sten auf dem Stand­punkt be­harren, Zugäng­lichkeit wäre noch nie einer der Namen Gottes gewesen.

Es scheint sich um eine grund­sätz­liche Ebene des Reli­gions­ver­ständ­nisses zu handeln: Kann man Gott denken? Oder muß man das Gött­liche fühlen? Ist Religion eine Ver­stan­des­an­ge­legen­heit oder eine Frage dessen, was der Mensch spürt auf seinem Weg durch das Leben und die Welt? Konkret ist zu fragen, wo der Mensch Gott begegnet, in welcher Form dieser sich offen­bart.

Wie wir gesehen haben, ist Got­tes Wirken, etwa im Regen, zwar greif­bar in seiner posi­tiven oder ne­ga­tiven Kon­se­quenz, der »Herr des Him­mels« aber ent­zieht sich jeder Nah­bar­keit. Eine alt­ägypti­sche Erzäh­lung vom Schiff­brüchigen, der auf einer In­sel im Roten Meer strandet, macht dies an­schaulich:

Da hörte ich ein Don­ner­geräusch und meinte, es sei eine Woge des Meeres; Bäume wurden ge­knickt, die Erde bebte. Als ich mein Gesicht auf­deckte, er­kannte ich, daß es eine Schlange war, die heran­kam. Sie maß 30 Ellen [15 Meter], und ihr Götter­bart war über zwei Ellen [1 m] lang. Ihr Leib war mit Gold über­zogen, ihre Augen­brauen aus Lapis­lazuli.

Als der Er­schrockene dem Gott opfern will, wird er aus­gelacht — denn dieser lebt nach eigenem Be­kunden im Über­fluß und be­nötigt nichts, was ein Mensch ihm geben könnte.

Gottes Name ist mitnichten Ver­ständ­lich­keit und Zu­gäng­lich­keit, sondern Ent­rückt­heit, Un­erreich­bar­keit, Un­ver­füg­bar­keit. Sowohl der ägyptische Amun als auch der isra­eliti­sche Jahwe sind ver­bor­gene Göt­ter, »ge­heimnis­voll« nennen die Quellen die Nil-Götter, deren Name eigent­lich nicht genannt werden kann und darf; im griechisch-römi­schen Tempel­kult wohnt Gott im Adyton, dem Un­betret­baren, Jahwe muß auf Berges­höhen auf­ge­sucht werden. Für den Hin­duismus las­sen die Upa­nishaden (»das durch das vom Lehrer Gehörte Offen­barte«) als höchstes Wesen brahman er­kennen — »etwas Un­be­schreib­liches und jen­seits des mensch­lichen Vor­stel­lungs­ver­mögen Lie­gendes«. Schama­nisti­sche Vor­stel­lungen von der Herrin der Tiere ver­orten diese ver­borgen im »Bauch der Erde«.

Der Islam hat aus dieser Un­nah­bar­keit Got­tes ein Ab­bildungs­verbot ge­macht; das Christentum, von den bilder­stür­menden Zeiten der Ortho­doxie ab­ge­sehen, das Gegen­teil — eine Bild­freudig­keit und Bild­ver­ehrung ohne­gleichen, aus­ge­nom­men der deutsche Prote­stan­tismus, der nicht nur Bilder­stürme in seiner revo­luytionär-anarchi­schen Früh­phase kannte, son­dern spätestens mit dem Auf­kommen der dia­lekti­schen Theo­logie heftig darum rang, ob Gott über­haupt »das ganz Andere« sei.

Sonnengott

Es ist das Jahr 1364 vor Christi Geburt: Was als ägypti­scher Pan­theon mit einer Göt­ter­viel­heit be­gann, aus der jener heraus­ragte, nach dem Pharao Ameno­phis IV., der in jenem Jahr die Herr­schaft an­trat, seinen Geburts­namen er­halten hat — Amun ist zufrieden —, wird nun radikal be­schnitten auf den einen, dessen Namen der König an­nimmt: Echn­aton — der Aton dient. Aton, das ist der ur­alte Sonnen­gott Re, in neuer Gestalt und neuer Theo­logie.

Aton ist weniger der Son­nen­ball als viel­mehr »das Licht, das in der Sonne ist und, von ihr aus­strahlend, die Welt ins Leben ruft und am Leben erhält«. Der Son­nen­gesang Echn­atons faßt diese Gedanken in grandiose Bilder:

Schön erscheinst du
im Hori­zonte des Himmels,
du lebendige Sonne,
die das Leben bestimmt. […]
Deine Strahlen säugen alle Felder —
wenn du auf­gehst, leben sie und wachsen für dich.

In letzter Kon­sequenz hat der Son­nen­gott, der nicht durch Worte wirkt, »sondern durch seine Strahlen«, »dessen sicht­bares Kult­bild das Son­nen­ge­stirn ist«, dessen Strahlen als Hände ge­dacht und dar­ge­stellt werden, im Tempel kein Kult­bild mehr, sondern das Aller­heiligste ist offen nach oben hin, um es der Son­nen­gott »durch seine Strahlen ausfüllt mit sich selbst«, womit der Gott auf Erden an­wesend ist, wie es in den alten Texten heißt: Aton ist ein Gott, dessen Tempel­schrein »eigent­lich die ganze Welt« ist.

War die altägyptische Aton-Religion auch ein (kurz­lebiger) Versuch, die Ent­rückt­heit des Got­tes auf­zu­brechen, ihn her­ein­zuholen ins Leben der Men­schen, mit seinen Son­nen­armen, die nun in einen offenen Tempel und in die ganze Welt greifen können? Die Ab­hängig­keit des Menschen von gött­li­chem Wirken hat der als Ketzer ver­schriene Pharao Echn­aton jeden­falls mit­nichten be­stritten.

Seit der Psycho­analy­tiker C.G. Jung ein­mal erlebt hat, in welchen Jubel Paviane aus­brechen, wenn die Son­ne aufgeht, weiß er:

Der Augenblick, in dem es Licht wird, das ist Gott.
Der Augen­blick bringt die Erlösung.

Alle Kreatur ist ab­hängig von der Schöpfung und ihren Segnungen.

Lebensspender

Sedna, jene Herrin der Tiere, »die vorher war« (das bedeutet ihr Name), ist ver­borgen in ihrem unter­seeischen Reich. Der Scha­mane der Labrador-Eskimos hat die Auf­gabe, sie all­jähr­lich dort auf­zu­suchen, um sie um Frei­gabe der Jagd­beute zu bit­ten, deren Seelen sie »zwischen den Zeiten«, in einer Phase der Re­gene­ra­tion der Natur, zurück­ge­halten hat:

Ich werde sie aufsuchen
Die unbekannte Frau
Ich werde die verborgenen Dinge ergründen
Jenseits der Menschen.

Die Herrin der Tiere ist, wie alles Gött­liche, nicht ein­fach greif­bar, nicht leicht zugäng­lich, sie ist ver­borgen; ein Ein­ge­weihter muß mühsam zu ihr hin­ab­steigen, sie in ihrer Höhle auf­suchen, dann ist sie bereit, ihre Gaben zu schenken.

Wenn im Herbst Ernte­dank ge­feiert wird, singt die Christen­heit Psalm 65, ein Dank­gebet für Got­tes Gaben:

Du sorgst für das Land und tränkst es;
du überschüttest es mit Reich­tum. […]
Du krönst das Jahr mit deiner Güte,
deinen Spuren folgt Über­fluß.
In der Steppe prangen die Auen,
die Höhen umgürten sich mit Jubel.
Die Weiden schmücken sich mit Herden,
die Täler hüllen sich in Korn.
Sie jauchzen und singen.

Der Schamanen-Gang zur Herrin der Tiere mit seinen rituel­len Ge­sängen und der zum christ­lichen Ernte­dank­fest ge­betete Psalm sind gleicher­maßen »Aus­druck der tiefen Dank­bar­keit from­mer Seelen, die sich dessen bewußt sind, daß alle natür­li­chen und alle über­na­tür­li­chen Gaben eben das sind: Gaben aus der Hand des Schöpfers, und nicht ›Gemachtes‹ aus dem Willen und der Tätig­keit des Menschen selbst«.

Erntedank[Gaben zu Erntedank in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Scheppach.]

Allzumenschliches

Wie man in animi­sti­schen Vor­stellungs­welten ab­hängig ist von Natur­erschei­nungen — und diese Er­schei­nungen des­halb fürchtet und ver­ehrt zugleich, also ver­göttlicht —, so über­trägt sich die Ab­hängig­keits­vor­stellung in »ent­wickelteren« Kulturen auf hoch­litera­rische Mythen.

Die neueste Holly­wood-Verfil­mung der Odyssee durch Christopher Nolan ver­ortet das Ge­schehen, das auf die Lein­wand proji­ziert wird, »in einer Zeit of­fensicht­licher Magie«. Den Film­kritiker Martin Lichtmesz ver­anlaßt dies zum Spott: Offen sichtlich sei das Magische in dieser Film­version gerade eben nicht. Schlim­mer noch: »Völlig ab­wesend sind die Göt­ter. Nicht einmal ihr Wirken in der Natur ist zu spüren, etwa in der ›heiligen Meeres­flut‹ oder in der be­rühmten ›rosen­fingrigen‹ Morgen­röte.«

Alleine damit hat sich ein Film, der vor­gibt, sich auf das homerische Epos zu be­ziehen, dis­quali­fi­ziert. Denn ohne das Wirken der Götter könnte kein Filme­macher des 21. Jahr­hunderts un­serer Zeit­rechnung über­haupt auf einen Stoff namens »Odyssee« zurück­greifen. Im Gegen­satz zu Nolan glaubt Homer nicht, eigen­mächtig über alles ver­fügen zu können und es zu formen, wie immer es ihm beliebt. »Den Mann nenne mir, Muse, den Viel­gewan­derten« — mit solcher Demut vor den Göt­tern beginnt es. Und schon nach wenigen Zeilen wird klar, wer über die Schick­sale dieses Man­nes und seiner Ge­fährten be­stimmt: der Rat der Götter im Olymp.

Nachdem die Achaier Troja ein­ge­nom­men, damit den Raub der Helena gerächt, ist der Mann­schaft des Odysseus keine schnelle Heim­kehr be­schieden, sondern eine Irr­fahrt. Schließ­lich ver­zehren die Toren die Rinder des Helios, was allen außer ihrem An­führer zum Ver­häng­nis wird — es »wehrte ihnen der Gott die Zurück­kunft«. Dem Odysseus aber zürnt der Erd­erschüt­terer Posei­don wegen der Blen­dung des Zyklopen, seines Sohnes. So landet der »viel­ver­schlagene Mann, der so weit geirrt«, endlich auf der Insel Ogygia, in der Grotte der schön­flech­tigen Nymphe Kalypso, die ihn glühend zum Mann be­gehrt, ihn, der sich vor Heim­weh verzehrt.

Selbst da das Jahr nun kam im krei­senden Laufe der Zeiten,
wo ihm die Götter bestimmt, gen Ithaka wieder­zukehren,
war der Held noch nicht am Ende seiner Be­drängnis.

Erretten aus seiner Not kann ihn nur die Ver­sammlung der Götter, ins­beson­dere seine Für­sprecherin Athene, die aller­dings einen günstigen Moment ab­warten muß, bis der rach­süchtige Poseidon den Olymp verläßt, um das Land der Aithiopen auf­zusuchen, wo ihm geopfert wird.

Es jammerte seiner die Götter […:]
Wir wollen uns alle zum Rat ver­einen, die Heim­kehr
des Verfolgten zu fördern [so sprach der Wolken­versammler Zeus]

In den homerischen Epen, überhaupt in der antiken Mytho­logie, ist das Gött­liche auf einer Ebene an­ge­langt, wo es eigent­lich nicht hin­gehört: Die Götter tragen mensch­liche Züge, sitzen zechend zu Tisch und schmieden Ränke gegen­ein­ander. Geblieben ist die Vor­stellung von der Ent­rückt­heit und Un­greif­barkeit dieser Götter, ge­blieben ist auch das Wissen um die schick­sal­hafte Ab­hängig­keit des Menschen vom gött­li­chen Wil­len, wie sie auch der Alte Orient kennt.

Eine der er­schütterndsten Szenen des Gil­ga­mesch-Epos ist die Szene als Enkidu auf dem Toten­bett liegt und seinen Freund, den König Gilga­mesch, fragt: »Weshalb nur rat­schlagen die großen Göt­ter?« Die Göt­ter beraten darüber, ob und wie der Frevel ge­büßt werden muß, den Gilga­mesch und Enkidu mit der Tötung des Him­mels­stiers be­gangen haben; sie haben das Leben des Natur­menschen Enkidu, der in die Zivi­lisa­tion kam, in ihren Händen.

Vielleicht ist Geschichte von den An­fängen und Ent­wick­lungen mensch­licher Gottes­vor­stel­lungen als »Ver­lust­ge­schichte« zu schreiben; viel­leicht sollte diese Geschichte »keine Ant­worten auf Fragen der Gegen­wart« liefern, sondern die Gegen­wart »den existen­ti­ellen Fragen« mensch­licher Got­tes­vor­stellungen aus­setzen; viel­leicht erwiese sich die Moder­nität einer Got­tes­vor­stellung dann gerade nicht darin, wie gut Gott »in unsere Zeit paßt, sondern wie un­erbitt­lich er die Glätte un­serer Zeit zer­trümmert«. Denn gleich wie der Geist einer Zeit auch wehen mag, der Mensch ist ab­hängig von etwas, was er nicht in Händen hält, was seinem Ein­fluß ent­rückt ist, vor dem Ehr­furcht zu empfinden ihm ansteht.

Wobei man, schreibt man das Wort »Got­tes­vor­stellung« und be­trachtet es an­schließend noch ein­mal aufm­erk­sam, zu er­schrecken hat darüber, wieso eine Be­trachtung über den Homo reli­giosus nicht kon­se­quent davon aus­geht, daß für den Menschen, der glaubt, Gott eben keine Vor­stellung ist, welche man qua Ver­stand und Wil­len formen, mani­pu­lieren und in­stru­men­ta­liseren kann, sondern das er ist, was er ist, ohne daß auf dieses Sein und dessen Wirken irgend­ein Ein­fluß aus­geübt werden könnte. Doch die Zeiten sind nicht so.

Nun ist der Mensch Gott

Seit Gott tot ist, rückt im­mer mehr der un­ersätt­li­che Mensch an seine Stel­le; fast scheint es ge­schafft, daß er sich auf den Thron Gottes ge­setzt hat, sein eigent­li­cher Ort, wie im 20. Jahr­hundert be­hauptet worden ist.

Die Ludwig-Maximilians-Univer­si­tät in Mün­chen prä­sentiert sich gerade pro­me­thisch: Im Zeit­alter von KI läßt man »die Grenzen ver­schwimmen«. Und das ist gut so, meinen Editions­team und aus­ge­wählte For­scher. Es sei »eine grobe Ver­ein­fachung, natür­lich [im Sinne des Homo reli­giosus also: das Ge­schöpfte] und künst­lich [sprich: das Menschen­ge­machte] als klare Gegen­sätze zu be­greifen«. Bisher falsch ein­ge­ordnet wären diese Begriffe, »als Syn­onyme von echt und falsch«. Alles ist in dieser Denk­weise nur eine Frage von Sprech­akten, alles wird durch den Diskurs erst er­schaffen und kann nach Belieben um­ge­modelt werden, die Schöpfung sowieso: Der In­for­matiker lotet be­geistert aus, »wie digitale Tech­niken mensch­liche Fähig­keiten er­weitern können«. Sein Forschungs­ziel: »Der er­weiterte Mensch«. Geo­graphin und Bio­loge machen sich Gedanken darüber, »wie sich Kultur­pflanzen an den Klima­wandel an­passen« — und sind sie nicht willig, so braucht es Gewalt — »oder künstlich anpassen lassen«, mit »nach­haltiger Gen­technik«. »Entwickeln«, »opti­mieren«, »Effi­zienz steigern« ist das LMU-Gebot der Stunde, von Pflanzen und von Menschen. Wer Zweifel an­meldet, dem werden »diffuse Ängste vor neuen Techno­lo­gien« unter­stellt. Probleme? Nur für Ewig­gestrige. Soll der Mensch Gott spielen? Aber ja, ruft es aus der LMU euphorisch.

Golem[Bryan Alexander Davis: Golem. Quelle: Wikimedia.]

Auch das Wetter ist nicht mehr Sache gött­licher Wol­ken­versammler, Regen­spender und Don­nerer — es wird von er­wählten Menschen gesteuert: Klima­inge­nieure ver­sprechen, die Erd­tempe­ratur nach ihrem Willen ein­zu­stellen wie eine smarte Wohnungs­heizung. Aber was, wenn ein Strich durch die Rechnung gemacht wird, etwa wenn ein Super-Vulkan hochgeht, wie er unter Neapel schlum­mert oder auf La Palma? Bei den Laki-Eruptionen 1783/4 auf Island brach in ganz Europa ein jahreylanger vulka­nischer Winter an, die nörd­liche Hemi­sphäre kühlte sich um 1,5 Grad Celsius ab, Miß­ernten in­klusive. Wer hat dann die All­macht?

Dennoch gaukeln Beratungs­gurus ihrer leicht­gläubigen Klientel nichts Ge­ringeres als »Klima­kon­zepte« vor, die für »die jeweilige Klima­zukunft maß­ges­chneidert« sind. Da wird die Welt am Computer fix neu entworfen wie ein Video-Game für Kids, in dem »Pilot­projekte« »Modell­regionen« de­fi­nieren, wo »neue Reb­sorten an­ge­pflanzt, klima­resi­stente Baum­sorten ge­setzt, Bach­bette neu dimen­sio­niert« werden. Oh unfaß­barer Größen­wahn, der den lieben Gott zum Stümper degradiert — ver­meintlich.

Der Mensch hat »es« eben nicht in der Hand, mag er sich noch so klug dünken. Daß es eine Instanz in der Hand hat, die über dem Menschen steht, ist evident. Daß es sich dabei nicht um eine numi­nose Macht handeln könnte, die man Götter oder Gott nennt, auf solch einen ab­wegigen Ge­danken ist vor dem Zeit­alter des Ratio­na­lis­mus niemand ge­kommen. Die Ver­nunft­religion ist ein illegi­times Kind der Neu­zeit, in ihr de­gene­riert die Welt und der Blick auf sie »vom gott­gewollten My­sterium« zu einer »men­schen­ge­schaf­fenen Ra­tio­na­lität«; diese Ra­tio­na­lität aber ist »eine der primi­tivsten und in­fan­tilsten Geistes­perioden der Mensch­heit«.

Ein Gebrechen, das den modernen Men­schen of­fen­sicht­lich daran hindert, Gott begreifen und gött­li­ches Wirken ak­zep­tieren zu können, ist die ihm ab­han­den­g­ekom­mene De­mut. Doch gerade Ein­sicht in Begrenzt­heit und Ab­hängig­keit ist es, die dem Men­schen gemäß ist. Die Fülle des Lebens er­schließt sich nicht in der All­über­all­ver­füg­bar­keit von Allem, wie es das Inter­net ver­spricht — und schon gar nicht im All­machts­anspruch des Homo sapiens, sich die Welt nach seinem Wil­len formen zu können.


Die Entrücktheit des Gött­lichen vom All­zu­mensch­lichen heißt keineswegs, dass das Göttliche im All­tag nicht spür­bar wäre — ganz im Gegen­teil: Gott war überall — schreibt der Roma­nist Johannes Hösle über seine Kind­heit im All­gäu der 1930er Jahre, um sich später von dieser Gottes­durch­drun­gen­heit des All­tags »zu distan­zieren«, wie mir ein Bene­diktiner­pater, der ihn kannte, sagte. Die nächste Folge von Homo reli­gio­sus, die des­sen Leben betrachtet, spürt dem Verdacht nach, das alles, was man tut, wenn man glaubt, der Heili­gung unter­liegt — und damit der Gottes­nähe.

Quellen in der Reihenfolge im Text

Wilhelm Mannhardt: Wald- und Feldkulte. Erster Teil: Der Baum­kultus der Ger­manen und ihrer Nach­bar­stäm­me. Mytho­lo­gische Unter­suchungen. Ge­brüder Born­traeger Ed. Eggers: Berlin, 1875, S. 1 Anm. 1 (Naturmensch); S. 2 (analoge Sprach­bilder für Pflanze und Mensch); S. 5 (Baum­seele als Schutz­geist); S. 155 (Bäume als Vege­tations­gott­heiten).

Bronisław Malinowski: Argonauten des west­lichen Pazifik. Ein Bericht über Unter­nehmun­gen und Aben­teuer der Ein­ge­borenen in den Insel­welten von Mela­nesisch-Neuguinea. Heraus­gegeben von Fritz Kramer. Frank­furt am Main: Syndikat, 1979 (englisch­sprachige Original­aus­gabe: Argonauts of the Western Pacific. New York: Dutton, 1922).

Walter Hirschberg: Bullom, Temne, Mende und Krio (Sierra Leone). In: Walter Raunig (Hrsg.): Schwarz-Afrikaner. Lebens­raum und Welt­bild. Gütersloh: Prisma, 1987 (Erst­ausgabe: Innsbruck: Pinguin, 1980), S. 27–41, hier S. 29 (Baum als Gott).

Anton Vorbichler: Das Welt­bild der zentral­afrika­nischen Pygmäen. In: Raunig: Schwarz-Afrikaner, S. 171–182, hier S. 175 (Buschgott Mbali).

Hans Peter Duerr: Sedna oder Die Liebe zum Leben. Frankfurt am Main: Suhr­kamp, 1984, S. 234 (Wald­gott der Bambuti); S. 15 (Gesang des Eskimo­scha­manen), S. 35 (Ver­wahr­ort der Tier­seelen).

Hugo Huber: Rituale des Lebens. Religiöse Aspekte einer west­afri­ka­nischen Savan­nenbauern­kultur. (Die Yende in der Volks­republik Benin). In: Raunig: Schwarz-Afrikaner, S. 49-59, hier S. 49 (Leben spen­dender Regen).

4 Mose 11, 25.

Jesaja 29, 6.

Karl-Heinz Bernhardt: Ugariti­sche Texte. In: Walter Beyerlin (Hrsg.): Reli­gions­geschicht­liches Text­buch zum Alten Testa­ment. Göttingen: Vanden­hoeck & Ruprecht, ²1985, S. 205–243, hier S. 228, Zeile 122 (Baal als Wol­ken­reiter); S. 227, Zeilen 68–71 (Baal als Regen­macher, Donnerer und Blitze­schleuderer).

Benediktionale. Studien­ausgabe für die katho­li­schen Bistümer des deutschen Sprach­ge­bietes. Frei­burg u.a.: Herder, 1987, S. 59–63 (Wetter­segen).

Martin Mosebach: Häresie der Form­losig­keit. Die römische Litur­gie und ihr Feind. Wien: Karolinger, 2002 (aus dem Gedächtnis zitiert).

Emil Staiger: Adalbert Stifter als Dichter der Ehrfurcht. Zürich: Verlag der Arche, 1952, S. 22f.

Ist im Pontifikat Leos XIV ein Ende der Liturgiekriege zu erwarten? Summorum Pontificum, 4. September 2026, https://www.summorum-pontificum.de/cont_articles/26/m09/04_perspektiven-alte.messe.html (Zugäng­lich­keit war noch nie einer der Namen Gottes)

Erik Hornung: Der Eine und die Vielen. Ägyptische Got­tes­vor­stel­lungen. Darmstadt: Wis­senschaft­liche Buch­ge­sellschaft, 1971, S. 118 (Erzählung vom Schiff­brüchigen), S. 106 (verbor­gene Göt­ter­gestalt).

Vasudha Narayanan: Hinduismus. Religio­nen verstehen. Köln: Fleurus, 2005, S. 25 (höchstes Wesen brahman).

Erik Hornung: Echnaton. Die Religion des Lichts. Düsseldorf und Zürich: Artemis & Winkler, 1995, hier ²2001, S. 61 (Licht, das in der Sonne ist), S. 88–93 (Son­nen­gesang Echn­atons), S. 82 (Wirkung durch Strahlen), S. 29 (Sonne selbst als Kult­bild), S. 44 Abb. (Strahlen­hände), S. 82 (kein Kultbild im Tempel), S. 81 (Tempel­schrein ist die ganze Welt), S. 95 (Jubel der Paviane beim Son­nen­aufgang).

Psalm 65, 10–14.

Michael Charlier: Te decet hymnus — Ps. LXIV [65]. In: Das Psalterium, https://www.psalterium.de/cont_psalms/ps_064.html, 2024 (Erntedank).

Martin Lichtmesz: Christopher Nolans »Odyssee«. Sezession im Netz, 28. Juli 2026, https://sezession.de/71141/christopher-nolans-odyssee.

Homer Odyssee. Übersetzt von Johann Hein­rich Voß. Durch­gesehen und eingeleitet von Otto Hauser. Deutsche Biblio­thek in Berlin. Leipzig, ohne Jahr, S. 1–3.

Das Gilgamesch-Epos. Übersetzt, kom­men­tiert und her­aus­gegeben von Wolf­gang Röllig. Stuttgart: Reclam, 2019, S. 76 (Beginn von Tafel VII).

Markus Sanke: 150 Jahre Grüner Hügel — eine Verlust­geschichte. In: Sezession 133, August 2026, S. 39-45, hier S. 45 (»Eine trag­fähige Maxime wäre: Bay­reuth liefert keine Ant­worten auf Fragen der Gegen­wart – es setzt die Gegen­wart den exi­sten­tiel­len Fra­gen des Werkes aus. / Moder­ni­tät erweist sich nicht darin, wie gut das Werk in unsere Zeit paßt, sondern wie un­er­bitt­lich es die Glätte unserer Zeit zer­trümmert.«).

Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung. Frank­furt am Main: Suhr­kamp, 1959 (Gottes Thron ge­bührt dem Menschen und seinen Utopien).

Einsichten. Forschungs­magazin der Ludwig-Maxi­milians-Uni­ver­sität München, Nr. 2/2023 (Grenzen ver­schwimmen).

Egon Friedell: Kultur­geschichte der Neu­zeit. Die Krisis der euro­pä­ischen Seele von der schwarzen Pest bis zum Ersten Welt­krieg. Band 1. München: Deut­scher Taschen­buch Verlag, 1976, hier 10. Auf­lage, 1993 (Erst­aus­gabe: Mün­chen: Beck, 1927-1931), S. 240 (infan­tiler Ratio­na­lismus).

Johannes Hösle: Vor aller Zeit. Geschichte einer Kind­heit. München: Beck, 2000, ²2001, S. 5.